Moritz Compérat berichtet von seinem Infrastrukturpraktikum in Papua-Neuguinea

Moritz Compérat berichtet von seinem Infrastrukturpraktikum in Papua-Neuguinea

 

Autor: Moritz Compérat

SDG9: Infrastrukturmaßnahmen in Kiunga

Kiunga, eine 10 000 Einwohnerstarke Kleinstadt, befindet sich in der Western Province, eine der 22 Provinzen aus denen Papua-Neuguinea besteht. Sehr oft wird sie übersehen, in manchen Reiseführern wird sie schon gar nicht erwähnt. Der Hauptgrund dafür ist eine sehr späte und langsame Entwicklung. Die Provinz ist etwas größer als Österreich, weist aber eine sehr geringe Bevölkerung von 200 000 Menschen auf, die über die ganze Provinz verteilt ist. Nur die Entdeckung großer Kupfer- und Goldvorkommen im Norden, bei Tabubil, und die Möglichkeit diese in Kiunga über den Fly River abzutransportieren, haben größere Entwicklungen hervorgebracht.

Wo auch immer das Auge reicht, herrscht der Regenwald. Dies ist natürlich eine der größten Hürden zur Entwicklung der Provinz. Auf einer Fläche von 98 000 Km², soll 200 000 Menschen der Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung ermöglicht werden. Straßen gibt es keine,  außer einer einzigen die die Mine in Tabubil mit dem Hafen in Kiunga verbindet. Die meisten Menschen gehen zu Fuß, oft stundenlang, bis sie, zum Beispiel, ein Gesundheitszentrum erreichen.

Unsere Partnerorganisation in Kiunga ist die katholische Diözese von Daru-Kiunga. Die Diözese ist nicht nur in Sachen des spirituellen Wohlbefindens tätig, sondern kümmert sich ebenfalls um Bildung und Gesundheit. Es gibt in der Western Province nicht viele Architekten. So ist es, das uns hier nie die Arbeit ausgeht, ganz im Gegenteil. Jedes Gebäude wird entweder von der Diözese oder externen Geldgebern finanziert. Diese verlangen genaue architektonische Pläne und Kostenschätzungen bevor sie finanzielle Mittel freigeben. Sehr wenige Menschen sind in der Lage solche Dokumente in der Western Province herzustellen, sei es aus technischen und finanziellen Gründen (Architekturprogramme sind sehr teuer) oder mangels Ausbildung.

Generell gliedert sich unsere Arbeit in drei Teile. Der Auftrag wird uns vermittelt, und in einer ersten Phase wird unterstützendes Material gesammelt. Es handelt sich die meiste Zeit um Fotos und Aufmaße. Manchmal muss man dafür ganz schön weit reisen. Letztes Wochenende bin ich zum Beispiel drei Stunden nach Tabubil, die Minenstadt, raufgefahren um dort eine größere Sporthalle zu vermessen. Der Unterschied zu anderen Teilen der Provinz war nicht zu übersehen. Wo viele Dörfer keinen Zugang zu Strom oder laufendes Wasser besitzen, ist diese Kleinstadt bestens ausgerüstet. Es gibt einen Country Club, einen Supermarkt mit  einer Fülle an Import Produkten, asphaltierte Straßen, einen Zahnarzt, ein gutes Spital und vieles mehr…

In der zweiten Phase wird die Planung unternommen. Anders wie in Österreich, ist die Einreichplanung hier oft auch gleich die Polierplanung, da die hier bevorzugte Holzbauweise sehr einfach umzusetzen ist. Um Wärmedämmung, Schneelasten und andere technische Schwierigkeiten die bei uns üblich sind brauchen wir uns hier nicht kümmern.

In der dritten Phase wird eine genaue Kostenschätzung verfasst. Mit dieser, und den Plänen, kann die Diözese dann um Finanzierungen ansuchen.

In meiner Zeit hier; habe ich an etlichen Projekten arbeiten können. Sei es die Planung eines großen Gesundheitszentrums in Bosset, das Education Office in Kiunga, eine großer Mehrzweckhalle für die St. Gabriel Schule oder die eine oder andere Kirche. Hier als Architekt zu arbeiten unterscheidet sich nicht wirklich zu Österreich. Die meiste Arbeit wird im Project Office vor einem Computerbildschirm verrichtet. Der einzig deutliche Unterschied ist die Luftfeuchtigkeit und die Palmen die man aus dem Fenster sehen kann.

Nebst meinen planerischen Tätigkeiten, ist es meine Aufgabe Sebastian, unseren Papua-Neuguinea Kollegen im Project Office, in Sachen Architekturprogrammen zu unterrichten. So wird er nach meiner Abreise ein 2D- und ein 3D- Programm beherrschen können, und mit diesen Kenntnissen die Kapazitäten des Project Offices um einiges erweitern. Dafür unterrichtet er mich in der lokalen Holzbauweise, da er davon ein umfassendes Wissen besitzt. So findet täglich ein bereichernder Wissensaustausch statt!

Natürlich sind hier manche Sachen etwas komplizierter als in Europa. Wir haben alte Computer, kein Internet und einen Drucker aus dem wir regelmäßig Geckoeier entfernen müssen damit er funktioniert. Aber wenn ich hier wirklich etwas gelernt habe, ist es das mit etwas Improvisation und Geduld im Endeffekt alles funktioniert!

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